1992
The Sacrilege of Fatal Arms  

 [Devil Doll: Mr. Doctor] "A Warning to the Curious...This Music Can Alter Your Mental Health." Bitte??? Anfangs mag man die Aufschrift auf der CD für einen Witz halten, aber sobald man diese CD durchgehört hat, versteht man den Spruch wohl besser. Devil Doll, das ist ein Slowenischer Ausnahmemusiker, der sich selbst Mr. Doctor nennt und der eine Musik macht, die Fix einmal treffenderweise als Horror-Prog bezeichnete. Genau das ist es auch! Man stelle sich einen der alten schwarz-weiß Horrorfilme vor, am Besten noch einen Stummfilm. Die Musik von Devil Doll wäre der perfekte Soundtrack dazu! Prog in Reinform ist wohl das ganze wohl auch nicht, aber einige Proglelemente sind schon vorhanden.

Kommen wir zu ein paar Besonderheiten dieser CD. Es handelt es sich hierbei um eine Special- Fanclub-Edition der Devil Doll-CD "Sacrilegium", die der Doctor extra für seinen Fanclub um ca. 30 Minuten erweitert und mit einem sehenswerten Booklet ausgestattet hat, in dem sich passender- weise so lustige Gestalten wie Nosferatu und andere Horrorgestalten tummeln. Die ganze CD besteht nur aus einem (!) Song! Ich konnte es selbst kaum glauben, bin ich doch sonst ein ausgesprochener Freund von Long-Tracks, aber 79:03 Minuten für einen (!) Song schlägt dem Faß doch den Boden aus. Was der gute Mr. Doctor hier aber in diesen fast 1 1/2 Stunden an Stimmung verbreitet, kann man sich kaum vorstellen. Laut, leise, Rockparts mit verzerrten Gitarren, einsame Pianostellen, eine gehörige Portion Orchester-Bombast und dann seine Stimme, die einem durch Mark und Bein geht. Gut, als singen kann man das ganze nicht bezeichnen, akklamieren, schreien oder flüstern paßt da schon besser, aber trotzdem unheimlich stimmungsvoll. Zugegeben, daß 79:03 Minuten eine verdammt lange Zeit sind, aber das ganze ist kein Album, von dem man sich 2 oder 3 Songs herauspicken kann (Logisch, bei nur einem Song! Raffinierter Kerl!), sondern das ganze ist von ihm als Soundtrack zu einem Film konzipiert, den man sich von vorne bis hinten ansieht bzw. hört. Man sollte sich diese Mühe wirklich machen und die ganze Distanz durchhalten, da es immer wieder interessante Sachen zu entdecken gibt. Bei dem Konzept des Films (bzw. des Soundtracks) geht es wohl um die Sinnlosigkeit des Krieges, bzw. der Waffen (fatal arms). Ganz sicher bin ich mir jedoch nicht. Daß bei der Umsetzung dieses Konzepts auf einige eher fragwürdige Dinge, wie z.B. ein Auschnitt aus einer Reichstagsrede Hitlers (als Hintergrund für einen Rockpart) oder einige weitere Samples zurückgegriffen wird, sollte man nicht überbewerten und in einem gewissen künstlerischen Aspekt betrachten, der nicht der Glorifizierung sondern, im Gegenteil, eher als Abschreckung gilt und die unheimliche Stimmung, die durch die laut-leise-piano-orchester-rock-bombast-rezitativ Teile aufgebaut wird, noch verstärkt.

Wie kaum ein anderes, lebt dieses Album von der Stimmung, die während des Hörens aufgebaut wird und ist meiner Meinung nach eines der genialsten Konzeptalben aller Zeiten.

Fest steht auf jeden Fall, daß der Doctor ein Dachschaden hat, der seinesgeleichen sucht. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn wie sonst sollte der gute Mann uns solch ein geniales Stück Musik vorsetzen? Bekanntermaßen liegen Genie und Wahnsinn ja nicht soooooo weit auseinander! Ach ja, zu dem Spruch aus dem Booklet: Hört Euch das ganze Mal im Nachts, im Dunkeln über Kopfhörer in voller Lautstärke an! Mit dem daraus resultierenden Dachschaden, werdet Ihr den Doctor wohl besser verstehen. ;)

(Christoph)

Was den einen abschreckt, liebt der andere abgöttisch. Als ich DD das erste Mal hörte, fand ich die Musik zwar ganz gut, doch die Stimme zerstörte das Ganze doch etwas. Monate später war ich von der Musik so sehr begeistert, daß ich mir alle Cds zulegte. Zugegeben, es ist nicht jedermanns Sache, wenn sich klassische Musik mit Rockmusik paart, doch jeder sollte mal den Einstieg in DD's Musik wagen. Diese Scheibe finde ich dafür jedoch nicht geeignet, da sie doch extrem abgefahren ist. "The sacrilege of fatal arms" ist ein Soundtrack zu einem von Mr. Doctor kreierten gleichnamigen Film. Mr. Doctor verwendet hierzu die Musik seines Werks "Sacrilegium". Letztere Scheibe erscheint mir doch etwas strukturierter und hörbarer als "The sacrilege...". Christoph hat mit seiner Besprechung alles doch recht gut auf den Punkt getroffen, nur daß es sich bei dem Werk wirklich um einen Soundtrack handelt, und nicht um eine Erweiterung der CD "Sacrilegium" für den Fanclub.

Viele Geschichten und Geheimnisse ranken sich um die Band und den Meister. Eine davon besagt, daß Mr. Doctor ein exzentrischer Millionär ist. Sei es, wie es ist. Die Kompositionen sind genial, und Horrorprog wohl genau der richtige Ausdruck. Als Hörtip erweitere ich Christoph's Idee: Man nehme zu Mitternachtszeit ein paar Kerzen und erleuchte damit das Zimmer. Dann legt man die CD ein und genießt die daraus resultierende Stimmung.

(Robin)

Source: http://www.babyblaue-seiten.de/bands/devildoll.html